Ich weiß noch genau, wann ich gemerkt habe, dass ich innerlich längst aufgegeben hatte.
Es war kein großer Zusammenbruch. Kein dramatischer Moment. Eher etwas viel Schlimmeres:
Es fühlte sich irgendwann einfach normal an, allein zu sein.
Ich kam nach Hause, machte mir irgendwas zu essen, setzte mich aufs Sofa und ließ den Abend an mir vorbeiziehen. Handy in der Hand. Irgendwelche Apps offen. Ein paar Nachrichten angefangen. Wieder gelöscht. Ein bisschen scrollen. Ein bisschen hoffen. Und dann schlafen.
Und am nächsten Tag wieder genau dasselbe.
Von außen sah mein Leben okay aus. Wirklich.
Ich hatte meinen Job. Ich hatte meine Wohnung. Ich war kein Totalausfall. Aber innerlich war da dieses leise, konstante Gefühl:
„War’s das jetzt?“
Nach meiner Trennung habe ich mir am Anfang noch eingeredet, dass das nur eine Phase ist. Dass ich mich erstmal sammeln muss. Dass „die Richtige“ schon irgendwann auftauchen wird.
Aber aus Wochen wurden Monate. Und aus Monaten wurde irgendwann ein Zustand.
Das Schlimmste daran war nicht einmal die Einsamkeit selbst.
Das Schlimmste war, dass ich irgendwann angefangen habe, mir einzureden, dass das eben mein neues Leben ist.
Dass ich vielleicht einfach zu alt bin. Zu festgefahren. Zu weit raus aus dem ganzen Thema.
Ich hab Dating-Apps ausprobiert.
Ich hab an meinem Profil rumgeschrieben.
Ich hab Bilder hochgeladen, wieder gelöscht, neue gemacht, wieder gezweifelt.
Und selbst wenn mal ein Match zustande kam, war ich sofort wieder im Kopf:
Was schreibe ich jetzt?
Wie wirke ich nicht peinlich?
Wann ist es zu viel?
Wann ist es zu wenig?
Am Ende ist meistens genau das passiert, was vermutlich viele Männer in meiner Situation kennen:
Es kam entweder gar nichts zurück.
Oder ein kurzer, belangloser Chat.
Oder es verlief einfach im Sand.
Und mit jedem Mal wurde ich innerlich ein Stück passiver.
Ich habe nicht nur den Glauben an Dating verloren.
Ich habe langsam den Glauben daran verloren, dass ich überhaupt noch jemand sein kann, mit dem eine Frau wirklich gern ihr Leben teilt.
Der Moment, an dem ich verstanden habe: So finde ich niemanden.
Es war ein Sonntagabend. Kein besonderer Abend. Genau das war ja das Problem.
Ich saß auf der Couch, der Fernseher lief nebenbei, und ich hatte wieder eine App offen. Ich hatte ein Match. Eigentlich hätte ich mich freuen können.
Stattdessen saß ich da und überlegte zehn Minuten, wie ich eine erste Nachricht schreibe, die nicht langweilig, nicht zu bemüht und nicht wie jeder andere klingt.
Am Ende habe ich gar nichts geschrieben.
Und in diesem Moment wurde mir klar: Ich war nicht nur allein. Ich war gelähmt.
„Ich wartete darauf, dass sich etwas verändert, aber ich verhielt mich wie ein Mann, der längst aufgegeben hat.“
